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Alles nur geschminkt?

Die Übung von Erste Hilfe-Maßnahmen ist eine Kernaufgabe des Jugendrotkreuzes – aber geübt wird meist an Puppen. Schwer vorzustellen, wie das tropfende Blut in der Realität aussehen würde, fand die Grazer JRK-Gruppe und organisierte deswegen einen Kurs, bei dem sie das Schminken und Behandeln von Verletzungen lernen und üben konnten.

11.10.2023 | Verfasst von S. Weiß

Material für die Realistische Unfalldarstellung: Kunstblut, Schminkfarben und Pinsel
Bei der Realistischen Unfalldarstellung geht es um das Schminken und Nachstellen von Verletzungen, um die Übung von Erster Hilfe und anderen medizinischen Maßnahmen konkret zu machen.

Realistische Unfalldarstellung

Ein Jugendlicher schminkt einem anderen eine blutende Wunde auf den Unterarm.
Das Schminken der Wunden nimmt die Angst vor ihrem Anblick.

Auf den ersten Blick sind die Bilder der Jugendgruppe nichts für schwache Nerven: eine handflächengroße Platzwunde auf der Stirn, ein abgetrennter Finger, ein stark blutender Riss im Unterarm. Dann bemerkt man die amüsierten Gesichter und den Tisch voller Schminke im Hintergrund. Die Verletzungen sind nämlich nicht echt: die Jugendlichen haben sie selbst angefertigt, mit Wachs, Kunstblut, Gelatine, Plastikknochen und sogar einer Gabel. 

Das Projekt hat einen ernsten Hintergrund: ohne die Übung an echt aussehenden Verletzungen geht wertvolle Zeit bei der Lebensrettung verloren, weil Ersthelfer:innen nicht auf den Schockmoment vorbereitet sind. Durch den Umgang mit wirklichkeitsnahen Wunden wird Angst abgebaut und gleichzeitig die Hemmschwelle vor den Maßnahmen gesenkt – für die ideale Vorbereitung auf den echten Notfall. 

Für dieses Training greift man im Rettungsdienst zu den Methoden der realistischen Unfalldarstellung, auch bekannt als (realistische) Notfalldarstellung. Sie ist ein wichtiger Baustein für die Ausbildung von Ersthelfern und Rettungskräften. Im Vordergrund steht die möglichst wirklichkeitsnahe Gestaltung verschiedener Notfallgeschehen, aber auch das spezielle Verhalten von Verletzten wird gemimt. 

Wie stellt man sich das vor?

Eine Jugendliche schaut mit gespieltem Entsetzen auf einen geschminkten amputierten Finger.
Der Anblick eines amputierten Fingerglieds kann schockierend sein.

Es reicht also nicht, sich eine Platzwunde nur vorzustellen. Im Rahmen des Projekts XUND und DU - Steirische Jugendgesundheitskonferenzen haben sich Lumi, Marcel, Anja und Marion vom Jugendrotkreuz Graz-Stadt um eine Förderung zum Thema Realistische Unfalldarstellung beworben. Das Üben von Erste Hilfe-Maßnahmen ist eine Kernaufgabe im Jugendrotkreuz und gemeinsam organisierten die Jugendlichen einen zweitägigen Workshop an der Volksschule Judendorf–Straßengel.

Am ersten Workshoptag stand das Erlernen der Unfalldarstellung im Fokus. Mit Modelliermasse, Farbe und verschiedenen Arten von Kunstblut lernten die Teilnehmer:innen und ihre Gäste, eine Platzwunde realistisch zu schminken. Auch starke Blutungen, Verbrennungen, Amputationen und kalt-blass-schweißige Haut standen auf der Schmink-Tagesordnung. Im Anschluss an jede Verletzung wurde auch gezeigt, wie diese vor Eintreffen eines Rettungswagens korrekt versorgt werden können. Eine besondere Herausforderung war die Darstellung eines amputierten Fingerglieds, da hier auf den zurückgeklappten Finger des “Schauspielers” modelliert wird, inklusive einem aus der Modellage herausragenden Plastikknochen.

Das erworbene Wissen wendeten die Jugendlichen am zweiten Tag dann in der Praxis an. Zufällig ausgewählte Unfallopfer wurden nun mit verschiedenen Verletzungen geschminkt und im Anschluss am “Unfallort” (insgesamt 18 Stationen) von den Ersthelfer:innen versorgt. Bei der Nachbesprechung waren sich die 44 Teilnehmer:innen einig: der Workshop war ein voller Erfolg! 

Gelernte Gesundheitskompetenz

Im Ernstfall retten schnell und kompetent durchgeführte Erste Hilfe-Maßnahmen Leben. Mithilfe der erlernten Methoden sind die Teilnehmer:innen besser vorbereitet, um im Moment des Unfalls nicht vom Anblick einer Verletzung so geschockt zu sein, dass sie nicht mehr handeln können. Das ist auch das Fazit der Gruppe nach Abschluss des Projekts:

“Wir möchten, dass die Jugendlichen auf Erste Hilfe gut vorbereitet sind. Nach einer geschminkten Verletzung ist es im Ernstfall sicher leichter zu reagieren, auch ohne Angst. Die in den ersten Minuten gesetzten Maßnahmen können am Ende zwischen Leben und Tod entscheiden.”

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Porträt Margit Helm

Margit Helm

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