ZU GAST IN DER NACHT – EIN INTERVIEW MIT BEATRIX CICHOCKI-RICHTIG
Unsere langjährige Mitarbeiterin Beatrix Cichocki-Richtig hat sich eigentlich erst kürzlich in die wohlverdiente Pension verabschiedet. Vor einiger Zeit war sie dennoch bei uns im Rettungsdienst zu Gast und das in der Nacht. Was ihr Sohn Moritz damit zu tun hat, wie es dazu kam und was ihr besonders in Erinnerung geblieben ist, erzählte sie uns im Interview.
02.02.2022 | Verfasst von A. Danglmaier

Liebe Beatrix, wie kam es dazu, dass du einen freiwilligen Gastdienst bei uns im Rettungsdienst gemacht hast?
Der Rettungsdienst hat mich eigentlich immer schon interessiert, durch Erzählungen von meinem Sohn, der Rettungssanitäter ist, habe ich auch manchmal etwas mitbekommen. Wie die Dienste aber tatsächlich ablaufen und was dabei alles geleitest wird, konnte ich mir nicht genau vorstellen. Deshalb hat mich mein Sohn eingeladen, ihn und seine Kollegin Sonja der Mittwoch-Nachtdienstgruppe eine Nacht lang zu begleiten. So hatte ich jetzt endlich die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Rettungsdienstes zu blicken. Überreden musste er mich überhaupt nicht, denn ich war stolz, dass mich mein Sohn dabeihaben wollte und habe mich gefreut, gemeinsam Zeit zu verbringen und so diese Seite seines Lebens kennenzulernen. Das war eine große Ehre für mich.
Und was soll ich sagen, es war wirklich eindrucksvoll. Zuvor habe ich den Rettungsdienst oft als selbstverständlich angesehen. Jetzt, nachdem ich alles hautnah miterlebt habe, habe ich großen Respekt vor diesen Leistungen und bin dankbar für alle, die sich im Rettungsdienst engagieren.
Als es so weit war, wie ist euer gemeinsamer Nachtdienst abgelaufen?
Um 18 Uhr ging es los. Zu Dienstbeginn wurde erst mal das Auto kontrolliert, um sicherzustellen, dass alles Notwendige vorhanden ist. Außerdem bekam ich eine kurze Einschulung zu den wichtigsten Geräten im Rettungswagen.
Dann wurden wir auch schon zum ersten Einsatz gerufen. Aufgeregt war ich nicht, sondern viel eher gespannt darauf zu sehen, wie die Einsätze ablaufen und was es zu meistern gilt. Die Einsätze verliefen alle super, man hat gemerkt, dass Sonja und Moritz viel Erfahrung mitbringen und ein eingespieltes Team sind. Auch in herausfordernden Situationen haben sie sofort reagiert und keine Sekunde gezögert, ihren Mitmenschen zu helfen. Als Gast sieht man während der Einsätze natürlich hauptsächlich zu, bei einigen Situationen konnte aber auch ich gleich mitanpacken, zum Beispiel eine Decke oder andere Utensilien reichen.
Nach einigen Einsätzen ging es zurück an die Dienststelle. Um 2 Uhr läutete dann noch mal das Alarmsignal. Insgesamt war es eine ruhige Nacht mit wenigen Einsätzen, mein Sohn wäre aber am liebsten die ganze Nacht mit mir gefahren, damit ich so viele Eindrücke wie möglich bekomme. Aber zum Glück haben nicht mehr Menschen Hilfe gebraucht, das ist ja auch ein gutes Zeichen.
Was ist dir von deinem Gastdienst in der Nacht besonders in Erinnerung geblieben? Was hat dich beeindruckt?
Es war beeindruckend zu sehen, wie die Kolleg:innen zusammenarbeiten, mit welcher Motivation sie im Dienst sind und wie sie mit Patient:innen umgehen. Außerdem habe ich hautnah mitbekommen, was die Sanitäter:innen leisten, davor war mir das nicht immer so bewusst. Das geht vermutlich vielen so. Daher sollten wir uns immer vor Augen halten, dass das alles Freiwillige sind, die ihre Nacht ihren Mitmenschen in Not schenken. Da habe ich wirklich großen Respekt davor. Ganz besonders auch in herausfordernden Zeiten wie diesen.
Wenn man dann noch den eigenen Sohn begleitet und sieht, wie viel Freude ihm diese Arbeit bereitet, macht einen das als Mutter so richtig stolz.
Auch die Gemeinschaft und der respektvolle Umgang innerhalb der Dienstgruppe war wirklich eindrucksvoll. Ich hatte das Gefühl, jeder war willkommen und wurde genauso genommen, wie er oder sie ist. Mein Sohn hat einmal gesagt, sie sind wie eine große Familie und das hab auch ich bei meinem Gastdienst sofort gespürt.
Was nimmst du aus deinem Gastdienst in der Nacht für dich mit?
Es war wirklich toll und eine Ehre, meinen Sohn und die Mittwochnacht-Dienstgruppe zu begleiten. Ich habe vielen dazu geraten, dies einmal auszuprobieren, natürlich aber erst, wenn sich die aktuelle Lage beruhigt hat. Wir brauchen schließlich immer freiwillige Mitarbeiter:innen, so kann man bestimmt viele dazu begeistern und ihnen diese anfängliche Angst nehmen. Außerdem lohnt es sich zu sehen, wie der Nachtdienst beim Roten Kreuz wirklich abläuft und welche unglaublichen Leistungen da erbracht werden.
Danke noch einmal an meinen Sohn Moritz, seine Kollegin Sonja und die gesamte Mittwoch-Nachtdienstgruppe, es war eine ganz wertvolle Erfahrung und Bereicherung für mich!
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Margit Helm
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