Der Offizier vom Dienst – die Schnittstelle im Rettungsdienst
Mit einem Auge fürs Detail und einem Händchen für Koordination sorgt der Offizier vom Dienst dafür, dass alle Zahnräder im Rettungsdienst perfekt geschmiert ineinandergreifen. Bei Notfällen sind sie für die Bevölkerung da und koordinieren Einsätze, für unsere beruflichen Mitarbeiter:innen sind sie zuverlässige Ansprechpartner und nebenbei stemmen sie unsere Logistik, kümmern sich um Zivildiener und reagieren flexibel, wenn ein Tag nicht nach Plan abläuft.
06.06.2024 | Verfasst von L. Vorraber und S. Weiß
(v.l.n.r.) Florian, Helmut und David sind unsere beruflichen Offiziere vom Dienst.
Der Tag unserer beruflichen Offiziere vom Dienst (OvD) beginnt schon am frühen Morgen mit der Übergabe vom (freiwilligen) Nacht-OvD. In den ersten Dienststunden schafft der OvD alle notwendigen Voraussetzungen für einen reibungslosen Tagesablauf im Rettungsdienstbetrieb. Abhängig von Krankmeldungen und Fahrzeugdefekten passt er den Tagesdienstplan an und berücksichtigt dabei planbare Einsatzformen wie Fernfahrten und Ambulanzdienste. Der OvD ist auch für die Ausgabe von Materialien verantwortlich. Dies umfasst alles, was die Besatzungen für ihre Einsätze benötigen, von medizinischen Geräten bis hin zu Verbrauchsmaterialien.
Ab 10 Uhr widmet er (oder sie – aktuell sind allerdings alle beruflichen OvDs in Graz Männer) sich der Erstellung des Dienstplans für den Folgetag, damit alle Schichten optimal besetzt sind. Parallel dazu koordiniert er Fernfahrten, wickelt Urlaubsanträge von Zivildienern und FJS-Mitarbeiter:innen ab und hat nebenbei noch ein offenes Ohr für die Beschwerden der Patient:innen. Auch die Kommunikation zwischen Krankenhäusern und Rettungsdienst fällt in seinen Aufgabenbereich. Er stellt sicher, dass Informationen schnell und effizient zwischen den Akteuren im Rettungsdienstalltag ausgetauscht werden und ermöglicht so den optimalen Einsatz unserer Rettungskräfte. Gegebenenfalls sorgt er auch dafür, dass verlorenes Patient:innen-Eigentum (besonders beliebte Fundsache: die e-card) wieder zu ihren Besitzer:innen zurückfindet.
Für die beruflichen Mitarbeitenden im Rettungsdienst sind die OvDs ein wichtiger Anlaufpunkt. Bei Problemen, Ideen oder Beschwerden ist er immer ansprechbar. Nicht immer braucht es aber eine Lösung – auch ohne “Notfallkompetenz Offenes Ohr” ist Zuhören oft die beste Medizin.
Und dann gibt es noch die eigentliche Kernaufgabe, die ein OvD überall in der Steiermark übernimmt: die Einsatzleitung vor Ort. Bei größeren Unfall- oder Gefahrensituationen (z.B. Brände, polizeiliche Einsätze und Großschadensfälle) koordiniert er die Arbeit der Rotkreuz-Einsatzkräfte und fungiert als Schnittstelle zwischen der Leitstelle, dem Roten Kreuz und den anderen Einsatzorganisationen.
Als Zwischenebene zwischen dem Fahrdienst und dem Bezirksrettungskommando fungiert der Offizier vom Dienst als unverzichtbare Verbindung und Koordinationsachse im Rettungsdienst. Er sorgt dafür, dass das System reibungslos funktioniert, und ist dabei oft das unverzichtbare Element, das alle Teile zusammenhält.
Florian
Florian bei der Arbeit im Kommandowagen.
Mit 21 Jahren Erfahrung im Krankentransport und Notarztwesen kennt Florian den Rettungsdienst in all seinen Facetten. Vor vier Jahren hat er sich dann für den Schritt in die Rolle des Offiziers vom Dienst entschieden.
Ein professionelles Auftreten, ein respektvoller Umgang und eine gute Zusammenarbeit machen für Florian den Beruf als OvD aus. Das Schönste an Einsätzen ist für ihn, wenn man wahrnimmt, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Es ist wichtig, über den Rettungsdienst genauestens Bescheid zu wissen – vom Notarztwesen über das Ambulanzwesen bis hin zum Sanitätsdienst. Außerdem sind Belastbarkeit und Flexibilität gefragt.
“Die größte Schwierigkeit für mich war es am Anfang nach 20 Jahren Rettungsdienst, nicht meinem Instinkt zu folgen und den Patienten zu versorgen, sondern mir einen Überblick über die Situation zu verschaffen.” Als OvD sorgt er als Einsatzleitung für einen reibungslosen Ablauf, er teilt und Sanitäter:innen zu, um die bestmögliche Versorgung zu bieten - das geht von der Organisation der Parkordnung bis zur gezielten Betreuung der Patient:innen nach Dringlichkeit. Dabei muss er die Ressourcen vor Ort bedarfsgerecht einteilen.
In der Zusammenarbeit mit anderen Einsatzorganisationen ist Kooperation gefragt. Florian muss einen kühlen Kopf bewahren und darf sich nicht von Emotionen vor Ort mitreißen lassen. Nach mehr als 20 Jahren im Einsatz geht es nicht mehr um den Adrenalinkick - dieser bleibt nach so langer Zeit aus. Für ihn sind das kontinuierliche Lernen und das Reflektieren entscheidend, um in Situationen nachhaltige und effiziente Entscheidungen zu treffen.
David
David ist auch der Verantwortliche für Logistik.
Neben den vielen Aufgaben eines OvDs übernimmt David auch die Verantwortung für einen weiteren Bereich an der Bezirksstelle: Die Logistik ist für ihn eine wichtige Basis für seine Arbeit als OvD. Bevor er sich für das Rote Kreuz entschieden hat, war er bei einer anderen Einsatzorganisation tätig. Beim Roten Kreuz Graz-Stadt begann er als Notfallsanitäter und hatte dabei stets sein Ziel vor Augen: Jumbofahrer werden.
Nach knapp 20 Jahren im Rettungsdienst, davon 16 Jahre im Fahrdienst, suchte David nach einer neuen beruflichen Herausforderung und fand sie in der Tätigkeit als Führungskraft im Rettungsdienst. Seit März dieses Jahres arbeitet er nicht nur als Logistikbeauftragter, sondern auch als OvD an unserer Bezirksstelle. Besonders ansprechend findet er die umfangreichen Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. “Als OvD wird es nie langweilig”, sagt er. “Jeder Tag ist ein bisschen wie ein Überraschungsei mit neuen Herausforderungen.” Besonders schön findet David, zu wissen, dass seine Arbeit Kolleg:innen hilft.
Das Gespräch mit einem OvD ist für David der erste Schritt für Sanitäter:innen, die selbst in dieser Rolle arbeiten möchten. So können Interessierte die eigenen Erwartungen und Möglichkeiten reflektieren. Als Einsatzleiter ist es ihm besonders wichtig, der Mannschaft Sicherheit und Professionalität zu vermitteln.
Helmut
Helmut ist Ansprechpartner für unsere Zivildiener und hat immer ein offenes Ohr für ihre Ideen und Probleme.
Unser dienstältester Grazer OvD ist Helmut, von den meisten liebevoll “Heli” genannt. Mit der Arbeit im Rettungsdienst hat er sein Hobby zum Beruf gemacht: Schon sein Vater war beim Roten Kreuz und Heli ist 1982 selbst als Freiwilliger in den Rettungswagen eingestiegen. Seit fast 20 Jahren ist er jetzt schon OvD an der Bezirksstelle in Graz. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Betreuung der Zivildiener und FSJ-Mitarbeiter:innen im Rettungsdienst, eine Aufgabe, der er mit voller Begeisterung nachgeht. Der Kontakt mit den jungen Mitarbeiter:innen hält auch selbst jung, findet er, und auch nach Jahren kommt es vor, dass ein nicht mehr ganz junger Mann die Straße quert und über den Zivildienst 2009 ratschen will. Kein Wunder, dass die Arbeit beim Roten Kreuz für ihn mehr als ein Job ist!
Egal ob “Zivi” oder Fahrer:in, am wichtigsten für Heli ist immer der direkte Kontakt mit seinen Kolleg:innen. Die kommunikative Ader ist für ihn eine wichtige Voraussetzung für einen OvD, der oft in der Öffentlichkeit steht und viel mit Menschen zu tun hat. Für ihn spielt es aber keine Rolle, ob er bei einem Großeinsatz aktiv ist oder zu eine:r Person fährt, der:die nach einem Sturz Hilfe braucht: Beide Einsatzarten sind für ihn gleich wichtig.
“Ich würde es wieder so machen”, sagt er nachdenklich. “Die ganze Tätigkeit, das Soziale, es war und ist der richtige Job für mich. Egal, ob ich damals einen Krankentransport gefahren bin oder jetzt die Aufgaben als OvD, das ist für mich alles gleichwertig.”