Wir sind da Ö Österreich

JUMBO-Frauenpower

„Was, drei Männer und ihr lasst euch von der Kleinen da sagen, was ihr machen müsst?“ Ja! Denn „die Kleine“ ist ausgebildete NKI-Notfallsanitäterin, Medizinerin und vor allen Dingen die Teamleaderin an diesem Notfallwagen! Sieben Grazer NKI-Notfallsanitäterinnen des Grazer Medizinercorps haben sich anlässlich des Internationalen Tags der Frau, der jedes Jahr am 8. März gefeiert wird, von uns porträtieren lassen. Warum sie sich für diese Laufbahn entschieden haben, welchen Einfluss ihr Geschlecht (nicht) auf ihre Funktion beim Roten Kreuz hat und was sie jungen Frauen raten, die sich für eine Karriere in der Notfallmedizin interessieren? Die Antworten sind genauso individuell wie unsere Teamleaderinnen selbst.

07.03.2024 | Verfasst von S. Weiß

Almut

Ich habe schon als Siebzehnjährige mit dem Rettungsdienst angefangen. Damals war ich noch sehr schüchtern und es war für mich undenkbar, irgendwann Teamleaderin am Jumbo zu werden. Mit der Zeit habe ich an Selbstbewusstsein gewonnen, viel gelernt und heute bin ich stolze Rettungsmedizinerin! Meine Dienstgruppe ist die Donnerstag-Nacht und längere Zeit hatten wir keine aktive Rettungsmedizinerin. Heute kann ich aber mit Stolz sagen, dass vier Frauen die Ausbildung in den letzten anderthalb Jahren abgeschlossen haben! Interessierten jungen Frauen rate ich, sich nicht unterkriegen zu lassen, ihr schafft das! Es macht Spaß, auch in stressigen Situationen als Teamleaderin einen ruhigen Kopf bewahren zu können und ganz ehrlich… manchmal ist es toll, wenn ich, als Kleinste und Ruhigste am Auto, mein Team anleiten kann und alle auf das hören, was ich sage.

Eva

Früher wollte ich Musikerin werden. Dann habe ich mit meiner Ausbildung zur Jumbohelferin begonnen und kurze Zeit später war ich Medizinstudentin. Ich hatte von vielen Seiten gehört, dass die Ausbildung zur Rettungsmedizinerin sehr zeitintensiv und aufwendig ist, aber ich habe mich trotzdem dafür entschieden. Mein Ziel war und ist es, eine gute Rettungsmedizinerin zu sein – ich will nicht nur fachliche Kompetenz haben, sondern auch menschlich sein und bleiben.

Der Weg war nicht immer leicht, er hatte seine Höhen und Tiefen, aber er lohnt sich. Heute bin ich Rettungsmedizinerin in der Samstag-Nachtdienstgruppe, ich bin Teamleaderin am Jumbo und trage die Verantwortung für mich, mein Team und unsere Patient:innen. Man lernt dabei, mit stressigen und fordernden Situationen umzugehen. Man muss auch sagen, dass man als Teamleaderin oft die einzige Frau auf dem großen Notfallwagen ist und man kann es auch genießen, wenn die männlichen Kollegen genau das tun, was man ihnen sagt – zumindest meistens! Wir behandeln einander mit sehr viel Respekt, aber es bleibt auch immer der Moment, in dem man ein bisschen herumspaßen kann. Ich bin froh, beim Roten Kreuz zu sein, da ich nicht nur eine tolle Ausbildung genießen durfte, sondern auch viele tolle Menschen kennengelernt habe.

Hannah

Mit 22 Jahren bin ich derzeit die jüngste Rettungsmedizinerin beim Grazer Roten Kreuz. Ich könnte ganze Seiten darüber schreiben, warum ich den Frauentag wichtig finde. Ich kann es nicht mehr hören, wenn Leute fragen, warum es keinen Weltmännertag gibt. Es gibt ihn nämlich, am 3. November. Und wir brauchen den Weltfrauentag! Solange es einen Gender Pay Gap gibt, solange Männer über die Rechte von Frauen bestimmen, solange ich mit den Männern in meinem Umfeld über Feminismus diskutieren muss und solange Patient:innen ganz selbstverständlich einen meiner männlichen Teamkollegen für den Teamleader halten.

Sieben Frauen sind in Österreich in den letzten 68 Tagen, also seit Jahresbeginn, wegen ihres Geschlechts Opfer eines Tötungsdelikts geworden. Dieser Frauen sollten wir gedenken und gemeinsam daran arbeiten, dass keine Frau mehr wegen ihres Geschlechts Opfer von Gewalt wird. Das ist mir wichtig.

Fiona

Ich bin NKI-Rettungsmedizinerin und Einsatzfahrerin in der Sonntag-Nachtdienstgruppe beim Roten Kreuz Graz-Stadt. Hier habe ich nicht nur meine Ausbildungen machen können, sondern ich habe auch Freunde fürs Leben gefunden.

Als Teamleaderin am Jumbo habe ich viel Theorie gelernt, viel über mich selbst und auch, wie man mit fordernden und stressigen Situationen umgeht. Als Einsatzfahrerin bin ich leider oft Menschen begegnet, die immer noch sehr konservativ denken. Am meisten nervt mich die Frage „Was? Die Frau kann das große Rettungsauto mit Blaulicht lenken? Kann nicht der männliche Kollege fahren?“ Ja, solche Aussagen kommen öfter vor, als man denkt! Da es mittlerweile viele Einsatzfahrerinnen und NKI-Rettungsmedizinerinnen gibt, ist aber bewiesen: Ja, Frauen können das auch!

Ines

Ich bin damals eher durch Zufall auf die Ausbildung zur Rettungsmedizinerin gestoßen. Heute bin ich sehr froh, dass es so kam und ich würde sie immer wieder absolvieren. Am meisten Spaß macht mir dabei, sich jeden Dienst mit einem coolen Team neuen Herausforderungen zu stellen, woraus sich auch viele Freundschaften ergeben haben. Frauen in der Medizin sind weiterhin medial und in Führungsebenen unterrepräsentiert und werden daher automatisch unterschätzt – ich kann nicht aufzählen, wie oft ich schon gefragt wurde, wie so eine junge Frau auch Ärztin sein kann. Oft spielen Genderrollen dabei mit und ich wünsche mir, dass mehr notfallmedizinisch interessierte Frauen den ersten Schritt in die Ausbildung wagen und wir gemeinsam neue Normen schaffen. Wenn man sich für Notfallmedizin interessiert, sich fachlich intensiv damit beschäftigt und Menschlichkeit mitbringt, dann ist dieser Weg der richtige, unabhängig vom Geschlecht. Das zu repräsentieren, ist jeden Tag unsere Aufgabe.

Carola

Ich war schon mittendrin im Medizinstudium, als ich vom freiwilligen Engagement beim Roten Kreuz erfahren habe – lustigerweise von Ines, die uns damals den Jumbo präsentiert hat. Wegen des Zeitaufwands habe ich das Ganze vorerst nicht in Betracht gezogen, aber das Thema hat mir dann ein halbes Jahr keine Ruhe gelassen. Also habe ich mich bei Margit, der Freiwilligenkoordinatorin, gemeldet und direkt angefangen. Heute bin ich als Teamleaderin am Jumbo dabei und nehme auch an notfallmedizinischen Wettkämpfen teil. Unser Team hat schon zahlreiche Pokale mit nach Hause nehmen können!

Interessierten Frauen rate ich, nicht zu viel zu zerdenken. Engagiere dich im Rettungsdienst und finde heraus, ob es dir Spaß macht! Ich hatte wegen der Ausbildungsmöglichkeiten beim Roten Kreuz begonnen, aber geblieben bin ich dank der Kolleg:innen, die bald zu Freund:innen geworden sind, und wegen der tollen Gruppendynamik in der Samstag-Nachtdienstgruppe.

Valentina

Ich bin mittlerweile seit neun Jahren beim Roten Kreuz in der Montag-Nachtdienstgruppe tätig und arbeite seit fünf Jahren als Rettungsmedizinerin am Jumbo. Inzwischen habe ich schon mehrere Kolleginnen und Kollegen ausbilden dürfen und konnte ihnen dabei helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Ich selbst hatte während meiner Ausbildung einige tolle Rettungsmedizinerinnen als Vorbild, allen voran meine wundervolle Ausbilderin und das versuche ich nun auch für diejenigen zu sein, die in die Ausbildung starten.

Mein Einsatz als Notfallsanitäterin für das RapidResponse-Team des ICRC in der Ukraine war eine sehr prägende Erfahrung und hat mir verdeutlicht, dass es in Krisensituationen entscheidend ist, schnell und effektiv Hilfe zu leisten, um das Leiden der Menschen zu lindern und Leben zu retten. Mir ist es wichtig, auch in schwierigen Situationen mit anzupacken und mich für andere einzusetzen.

Zum internationalen Frauentag möchte ich die Worte von Astrid Lindgren, einer der unzählbaren beeindruckenden Frauen mitgeben: „Sei wild und frech und wunderbar.“

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Porträt Margit Helm

Margit Helm

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