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SvE – wer hilft denen, die euch helfen?

Die Weihnachtszeit, geprägt von besinnlichen Momenten und fröhlichem Beisammensein, kann für viele Menschen auch herausfordernd und sogar belastend sein. Besonders für Mitarbeiter:innen, die in Einsatzorganisationen tätig sind und tagtäglich mit Unfällen und traumatischen Ereignissen konfrontiert werden, ist der Umgang mit Stress eine zentrale Herausforderung.

26.12.2023 | Verfasst von S. Weiß

Eine Mitarbeiterin der Krisenintervention betreuut eine Mitarbeiterin des Rettungsdienst im Rahmen einer Übung.
Betreuung einer Mitarbeiterin des Roten Kreuzes nach einem belastenden Ereignis.

Stell dir vor: Weihnachten. Großeltern, Eltern und die kleine Tochter freuen sich auf einen besinnlichen Abend, Opa kocht Spaghetti Bolognese. Beim Essen stimmt plötzlich etwas nicht mit dem Kleinkind. Allergie? Lebensmittelvergiftung? Niemand weiß, was zu tun ist. Also wird die Rettung alarmiert, das Mädchen ins Krankenhaus transportiert und nach ein paar Stunden Behandlung wieder entlassen. Für die Familie ein gutes Ende. Für den Rettungssanitäter, der während der Fahrt nicht nur das keuchende Kind, sondern auch die panische Mutter betreuen musste, hat der Einsatz zwar geendet, aber er ist nicht vorbei. Die Erinnerung belastet. Er greift selbst zum Telefon und kontaktiert einen SvE-Peer.

Die SvE, die Stressverarbeitung nach belastenden Ereignissen, spielt eine entscheidende Rolle in der psychischen Gesundheit von Rettungskräften und anderen Helfern. Deswegen ist das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes nicht nur für die Betreuung von Verletzten oder Angehörigen zuständig, sondern kümmert sich auch um die psychosoziale Betreuung der Mitarbeiter:innen im Rettungsdienst. Fakt ist nämlich, dass jede Rettungskraft irgendwann an einem Einsatz beteiligt ist, den er:sie nicht mehr vergessen kann. Dazu gehört zum Beispiel die erste erfolglose Reanimation, aber auch schwere Unfälle, Katastrophen, (Groß-)Schadensereignisse mit hoher Eigengefährdung, großem Medieninteresse oder einem Opfer, das persönlich bekannt war.

Dem Roten Kreuz sind die Auswirkungen dieser Einsätze auf die psychische Gesundheit seiner Mitarbeiter:innen bewusst und stellt ihnen daher das Maßnahmenpaket der SvE zur Verfügung. Zur Vermeidung von akuten Stressbelastungen werden Tipps zur Prävention gegeben, im Akutfall Einzel- oder Gruppengespräche angeboten und bei posttraumatischer Stressbelastung der Kontakt zu psychologischem Fachpersonal hergestellt.

Unser fiktiver Rettungssanitäter schildert seinem SvE-Peer, wie es ihm nach dem Einsatz geht. Der Kontakt zu seiner eigenen Tochter, die im selben Alter ist, beunruhigt ihn plötzlich. Im Gespräch gibt der SvE-Peer nicht nur Hilfestellungen, sondern teilt die Gefühle. Einsätze mit Kindern sind oft besonders belastend, gerade dann, wenn man Parallelen zur eigenen Person oder Familie erkennt. Das vertrauensvolle Gespräch und die Gewissheit, dass die Reaktion nicht krankhaft ist und wieder verschwinden wird, nehmen dem Sanitäter die Sorge und die Bewältigungsstrategien, an die der SvE-Peer erinnert, geben ihm das Werkzeug, die Akutbelastung zu verarbeiten und hinter sich zu lassen.

Ein Mitarbeiter der Krisenintervention betreut eine Mitarbeiterin des Rettungdiensts bei einer Übung.
Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen

Die Ausbildung zum SvE-Peer setzt ein Mindestalter von 25 Jahren und zwei Jahre Einsatzerfahrung im Rettungsdienst voraus. Neben der individuellen Betreuung ist auch die Verarbeitung von Großeinsätzen durch das SvE-Kriseninterventionsteam Schwerpunkt, da die Betreuung hier eine organisatorische Herausforderung darstellen kann. Die gemeinsame Tätigkeit im Rettungsdienst stellt ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Peer und Mitarbeiter:in her, das bei externen Fachkräften unter Umständen nicht sofort vorhanden wäre. Das SvE-KIT kümmert sich deswegen auch nicht nur um Rotkreuz-Mitarbeiter:innen, sondern auch um Mitglieder anderer Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr oder Bergrettung. Darüber hinaus arbeiten sie eng mit psychologischem und psychosozialem Fachpersonal zusammen. Von diesen werden sie nicht nur selbst beraten und betreut, sondern sie können Kolleg:innen mit Symptomen einer posttraumatischen Stressreaktion mit diesen in Verbindung setzen und so den Genesungsprozess starten.

In einer Zeit, in der Solidarität und Mitgefühl besonders hochgeschätzt werden, sollten wir nicht nur an diejenigen denken, die Hilfe benötigen, sondern auch an die Helfer selbst. Das Rote Kreuz leistet nicht nur Erste Hilfe für körperliche Verletzungen, sondern auch für die seelische Gesundheit seiner Mitarbeiter:innen – und das nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über.

Du bist im Rettungsdienst aktiv und interessierst dich für die Arbeit als SvE-Peer? Deine Ansprechpersonen sind Gundi Jud, Leitung PSB Graz-Stadt und Graz-Umgebung, oder Peter Hoppenberger, Bezirksrettungskommandant Graz-Stadt.

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Porträt Peter Hoppenberger

Peter Hoppenberger

Bezirksrettungskommandant

Bezirksstelle Graz-Stadt

Münzgrabenstraße 151
8010 Graz

Mo-Do: 08:00-16:00 Uhr
Fr: 08:00-13:00 Uhr

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