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Rotes Kreuz Niederösterreich zieht Bilanz

v.l.n.r.: Liya Buxbaum, Präsident Hans Ebner, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Geschäftsführer-Stellvertreterin Andrea Winter und Nicole Kissmann.

2024 geprägt von Hochwasser-Einsatz und Ausrollung Telenotarzt

  • Katastrophenhilfe: 2.680 Rotkreuz-Mitarbeiter:innen im Hochwasser-Einsatz
  • Freiwilligkeit: stabile Zahlen bei den Ehrenamtlichen
  • Team Österreich: starker Anstieg auf 21.576 Mitglieder
  • Rettungsdienst: 925.516 Menschen im Jahr 2024 versorgt
  • Telenotarzt geht in den 24 Stunden-Betrieb
  • Ausbildung: Schmerztherapie & Praxistrainings als Ausbildungsschwerpunkte
  • Gesundheits- und Soziale Dienste: Armut im Fokus
  • Jugendrotkreuz: Bereits 1.750 junge Mitglieder

 

„Unser großes gemeinsames Ziel ist es, dass unsere Landsleute bis ins hohe Alter in Niederösterreich gesund und sicher leben können. Und dabei führt kein Weg am Roten Kreuz vorbei! Das zeigt auch die Leistungs- und Einsatzbilanz 2024: Mit über 2,4 Millionen ehrenamtlich geleisteten Stunden hat das Rote Kreuz im Vorjahr noch mehr Einsatzstunden verrichtet als 2023“, erklärt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Bei den Gesundheits- und Sozialen Dienste hat das Rote Kreuz die größten Steigerungen verzeichnet:“ Die Zahl der betreuten Personen wuchs innerhalb eines Jahres um knapp 24 Prozent auf fast 290.000 betreute Menschen an. „Das ist ein riesen Sprung und eine gewaltige Leistungssteigerung des Roten Kreuzes“, so Mikl-Leitner. Besonders Sicherheitsuhren wurden dazu beitragen, dass Sicherheitsgefühl und Lebensqualität der älteren Landsleute steigen würden. Seit heuer gibt es erstmals über 10.000 solcher Anschlüsse, mit denen Landsleute im Falle eines Sturzes rasch Hilfe rufen können, nämlich genau 10.930 im ganzen Bundesland.

„Das Rote Kreuz ist ein starker Partner für viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher im Bereich der Gesundheit und raschen Hilfe – das veranschaulichen gut die Zahlen dieser Leistungsbilanz und das zeigte auch der Hochwassereinsatz 2024. Mein Dank gilt daher besonders den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der anderen Blaulichtorganisationen leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für die Lebensqualität und das Sicherheitsgefühl in Niederösterreich“, betont Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, zuständiges Regierungsmitglied für das Rettungswesen.

„Wenn es notwendig ist, anzupacken, sind sie da – die vielen Rotkreuz-Helfer:innen aber auch viele helfende Hände des Team Österreich“, betont Präsident Hans Ebner, Rotes Kreuz Niederösterreich. „Ab 11. September hieß es im Zuge des Hochwasser-Einsatzes anzupacken und den Menschen zu helfen, wo es nur möglich war. Die Rotkreuz-Kräfte standen bis Anfang Oktober mit insgesamt 2.680 Mitarbeiter:innen – Ehrenamtlichen, Hauptberuflichen, Zivildienstleistenden und Teilnehmenden des Freiwilligen Sozialjahres – im Einsatz.“ Ein Großteil der Mitarbeiter:innen war dabei im Katastrophenhilfsdienst eingesetzt, um Unterkünfte einzurichten, Menschen vor Ort zu betreuen, bei den Evakuierungen zu unterstützen und die Verpflegung sicherzustellen. Ein wesentlicher Anteil kam gerade in diesem Einsatz aber auch den Kriseninterventionsteams und den zahlreichen Sozialbegleiter:innen zu, die bei der Beratung und Abwicklung der „Österreich hilft Österreich“ Anträge unterstützten. „Ein Einsatz, der zeigt, wie viele Menschen und Aufgabengebiete hier zusammenhelfen, um Menschen in Not zu unterstützen“, meint Ebner.

Das Team Österreich, eine Kooperation von Hitradio Ö3, dem Roten Kreuz und der ÖGK, war wichtiger Bestandteil der Hilfsaktionen, nachdem das Hochwasser sich wieder zurückgezogen hatte. Bei den Mitgliederzahlen konnte das Rote Kreuz im vergangenen Jahr dank einer eigenen Kampagne im Frühjahr aber auch durch den Hochwasser-Einsatz im Herbst einen starken Zuwachs um knapp 7.800 Mitglieder verzeichnen. Insgesamt wurden die Mitglieder im vergangenen Jahr zu 36 Team Österreich Einsätzen alarmiert – davon waren acht Einsätze nicht in Zusammenhang mit dem Hochwasser: Hier wurden neue Wege eingeschlagen, wie zum Beispiel Unterstützung beim Sammeltag der Team Österreich Tafel, beim Blaulichttag in Wr. Neustadt oder dem Henry Laden Popup-Store in St. Pölten. „Diese Idee wollen wir heuer ausrollen und ersuchen daher unsere Team Österreich Mitglieder ihr Profil zu aktualisieren, damit wir gezielt bei entsprechenden Anforderungen in der Region zur Mitarbeit aufrufen können“, meint Ebner. „Nicht jeder kann sich vorstellen, bei einem Hochwasser zu helfen – deshalb arbeiten wir intensiv daran, neue Möglichkeit dieser niederschwelligen Unterstützungsmöglichkeiten zu schaffen.“

Gleichzeitig setzt das Rote Kreuz Niederösterreich alles daran, die Zahl der ehrenamtlichen Helfer:innen stabil zu halten. „Freiwilligkeit ist die Basis des Roten Kreuzes und mit mehr als 2,4 Mio. ehrenamtlich geleisteten Stunden ein nicht wegzudenkender Faktor. Um das zu erreichen, setzen wir auf unsere Kampagne ‚Ehrensache mithelfen‘, die nun sogar schon von Rotkreuz-Organisationen anderer Bundesländer übernommen wird“, sagt der Präsident. „Aber auch unsere regionalen Ansprechpartner:innen in Form von Freiwilligenkoordinator:innen sind wichtig, um allen Interessenten mit Rat und Infos zur Verfügung zu stehen.“ Insgesamt bietet das Rote Kreuz in Niederösterreich 40 Tätigkeitsprofile, die beschreiben, wie und wo man freiwillig mitarbeiten kann. Auf der eigens eingerichteten Webseite www.ehrensache.at finden sich umfangreiche Informationen zum Thema Ehrenamt im Roten Kreuz.

 

Leben retten und Krisen bewältigen

Bei den Einsatzzahlen verbucht das Rote Kreuz Niederösterreich auch im Jahr 2024 einen leichten Rückgang: Waren es im Jahr 2023 insgesamt 969.275 Menschen, die zur Versorgung ins Krankenhaus oder nach Hause gebracht werden mussten, so beläuft sich die Zahl im Folgejahr auf 925.516 Personen. „Insgesamt rückte das Rote Kreuz im Durchschnitt täglich 2.741-mal aus, um Menschen zu helfen“, erklärt Ebner. Auf Grund der nach wie vor hohen Belastung ist gerade auch im Rettungsdienst die Zahl der Freiwilligenstunden weiter rückläufig (von 1,98 Mio. auf 1,94 Mio. Stunden), die Dienste müssen hier mit hauptberuflichem Personal abgefedert werden. Zum Vergleich: durch das hauptberufliche Personal wurde in diesem Bereich im Jahr 2024 rd. 1,7 Mio. Stunden erbracht.“

Der Telenotarzt startete mit 1. September sehr erfolgreich in Niederösterreich in den 24-Stunden-Betrieb. „Mittlerweile wurden bereits zahlreiche Mitarbeiter:innen in Kärnten, Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich eingeschult und Bezirksweise in das System aufgenommen. Alle werden derzeit von den in NÖ sitzenden Telenotärzt:innen betreut – das System wird sehr gut angenommen“, sagt der Präsident. „Aktuell haben wir 20 Telenotärzt:innen, die abwechselnd Dienst versehen. Mit dem Telenotarztsystem hat Niederösterreich einen wichtigen Schritt in die Zukunft gemacht und diesen Weg werden wir konsequent weitergehen.“

Die Ausbildung übernimmt hier ebenfalls einen wichtigen Anteil in der Umsetzung derart innovativer Projekte. Allein im Jahr 2024 wurden in 4.981 Rotkreuz-internen Kursen 68.825 Teilnehmer:innen geschult, wobei in diesem Jahr der Schwerpunkt auf Praxistrainings mit intensiven Kleingruppentrainings gelegt wurde. Aber auch der Bereich der Schmerztherapie – ein Kursangebot für Notfallsanitäter:innen – stand im Fokus der Ausbildung im Bereich des Rettungsdienstes.

In der Breitenausbildung wurden im Jahr 2024 insgesamt 39.088 Menschen in 3.300 Erste-Hilfe-Kursen zu Ersthelfer:innen ausgebildet. „Wir sehen in unserer Arbeit regelmäßig, wie wichtig Ersthelfer:innen in der Rettungskette sind – sie können den maßgeblichen Unterschied machen, ob ein Mensch beispielsweise einen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt. Denn dann zählt jede Sekunde“, meint Ebner.

 

Gesundheits- und Soziale Dienste: Armut im Fokus

Steigende Energiepreise und die Erhöhung bei den Kosten für Lebensmittel haben in den vergangenen Jahren insgesamt zu einem deutlichen Anstieg der Klient:innen bei den Ausgabestellen der Team Österreich Tafel geführt. „Aktuell haben wir an den 35 Ausgabestellen der Team Österreich Tafel und den drei SozialLäden mehr Bezugsberechtigte, die aber seltener vorbeikommen, was sich in der sinkenden Zahl der „Einkäufe“ zeigt“, erläutert der Präsident. „Insgesamt muss man aber sagen, dass im Jahr 2024 an den Ausgabestellen der Team Österreich Tafel 7.657 Haushalte registriert waren und bei unseren Sozialläden 2.173 Haushalte – in diesen anspruchsberechtigten Haushalten leben insgesamt 6.436 Kinder (36 Prozent der Anspruchsberechtigten). Durchschnittlich wurden so pro Woche 7.868 Menschen versorgt.“

 

Einen wesentlichen Teil der Armutsbekämpfung bildet zudem die Spontanhilfe: Hier wurden 2024 insgesamt 569 Anträge bearbeitet, 2023 waren es im Vergleich dazu noch 426 Anträge – das entspricht einem Plus von 33 Prozent. „Eines muss man sich aber klar vor Augen führen: Die Fälle haben sich seit 2016 mehr als verdoppelt“, ergänzt Ebner. „Zusätzlich haben wir auch noch 151 Wohnschirm-Anträge im Bereich der Energiesicherung bearbeitet bzw. eingereicht.“

 

Neben Themen wie Armut oder auch Bildung bieten die Gesundheits- und Sozialen Dienste aber auch ein dichtes Netz an Angeboten für Senior:innen. Besonders hervorzuheben sind hier die Rufhilfeuhr, die für ältere Menschen besondere Sicherheit bietet, aber auch die Seniorenprogramme. Die Rufhilfe-Anschlüsse sind im Jahr 2024 weiter angestiegen – insgesamt nutzen bereits 10.930 Menschen dieses „Mehr an Sicherheit“. Einen starken Anstieg verzeichnet das Rote Kreuz gleichzeitig generell bei den Seniorenprogrammen, hier konnten 26.150 ältere Menschen (inkl. Mehrfachnennungen) aktiviert werden – egal ob Betreute Reisen, Seniorentreffs, Bewegungsprogramme oder andere Angebote – das Rote Kreuz sorgt für ein abwechslungsreiches Programm. 

 

Jugendrotkreuz setzt auf aktive Jugendarbeit

Ob Zukunftswerkstatt, Schwimmkurse, Jugendbewerbe oder Radfahrprüfungen – das Jugendrotkreuz ist immer aktiv. „Deshalb ist es großartig zu sehen, wie sich unsere Jugend weiterentwickelt“, meint Ebner. „Aktuell zählen unsere 116 Jugendgruppen 1.750 Mitglieder – außerdem ist unser Jugendrotkreuz aber auch stark in den Schulen aktiv und unterstützt hier beispielsweise seit dem Jahr 2024 die Karl Landsteiner Privatuniversität bei der Implementierung des Programms Fit4Reanimation. „Es ist uns ein ganz besonderes Anliegen, den essenziellen Gedanken der Erste-Hilfe-Leistung bereits Kindern mitzugeben. Mit dem Projekt Fit4Reanimation setzen wir in Niederösterreich gemeinsam und ganz bewusst schon bei den ganz Kleinen an. Denn Kinder und Jugendliche sind die Helfenden der Zukunft – und wer Erste Hilfe früh lernt, tut sich im Erwachsenenalter umso leichter. Unser Ziel ist es, dass Erste Hilfe eine Grundkompetenz an den Schulen in Niederösterreich wird, so wie Lesen, Schreiben und Rechnen“, betont der Rotkreuz-Präsident.

 

Lebensrettendes Notfallmedikament

Eine wesentliche Spende, die Menschen leisten können, ist die Blutspende. Blut wird beispielsweise nach Unfällen, bei Geburten, Operationen oder bei der Behandlung schwerer Erkrankungen verabreicht – ein lebensrettendes Notfallmedikament also, das künstlich nicht herstellbar ist. Gleichzeitig ist eine Blutkonserve lediglich 42 Tage haltbar. Umso erfreulicher ist es, dass im vergangenen Jahr insgesamt 40.502 Menschen in NÖ eine der 801 Blutspendeaktion des Roten Kreuzes besucht haben, um zu helfen, darunter befanden sich 4.964 Erstspender:innen.

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