1946
Einweihung des Chevrolet auf der Schulwiese gegenüber des FF und RK Gebäudes.
1947
Die Rettungsabteilung wurde von der FF ausgegliedert und eine eigene Verwaltungsstelle aufgebaut. Bgm. Rudolf Frimmel wurde Bezirksstellenleiter.
Die Geschichte des "Roten Gigerl":
Zu Ende des Krieges gab es in Vöslau weder einen Krankenwagen noch ein Feuerwehrauto. Wer ins Spital musste, wurde vom Kutscher des Herrn Dr. Schaumann mit einem Pferdewagen mit offenem Plateau nach Baden gebracht. Regnete es, wurde der Patient mit einer Plane zugedeckt.
Anfang 1946 begann man mit dem Zusammenbau des ersten Krankenwagens. Er hat eine seltsame Geschichte. Sie verdient es, erzählt zu werden:
Der russische Kommandant von Vöslau hatte dem Bürgermeister Rudolf Frimmel einen amerikanischen Chevrolet geschenkt, damit der Herr Bürgermeister auch ein Auto besäße. Die Herkunft des Wagens, der sicher nicht aus dem stalinistischen Russland stammte, war unbekannt; außerdem hatte die Sache einen Haken, denn der Chevrolet lag im Schloss Teich.
Bürgermeister Frimmel nahm das Geschenk mit Dank an und ließ den Wagen bergen. In der alten Vöslauer Turnhalle machten sich der eben aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Heinrich Quint, Mechanikermeister Karl Sauer und der Fabriksspengler Rottensteiner an die Arbeit aus dem PKW einen Krankenwagen zu bauen. Das Werk gelang. Der knallrot angestrichene Wagen erhielt den Spitznamen "Roter Gigerl".
Damals gab es auf den Straßen keinen privaten Auto- oder Motorradverkehr. Russische Soldaten, die nach Baden wollten, haben des Öfteren den "Roten Gigerl" angehalten und sich mitnehmen lassen; sehr zum Missfallen des Rettungsfahrers Heinrich Quint. Aber bald mieden sie die "krasna Maschina", denn Quint erzählte ihnen, mit dem Rettungswagen würden nur Typhuskranke transportiert.
Manchmal wurde der "Rote Gigerl" auch für "veterinärmedizinische Zwecke" eingesetzt. War es nämlich gelungen, für Wolle oder Stoff aus der Kammgarnfabrik ein Schwein einzutauschen, dessen Fleisch dann in der Werksküche oder im Spital verarbeitet wurde, so transportierte man das geschlachtete Tier mit dem "Roten Gigerl", um so vor Beschlagnahme oder Plünderung durch russische Soldaten, was leider vorgekommen war, sicher zu sein. Wollten Soldaten das Auto anhalten, dann genügte Heinrich Quints Ruf "Typhus, Typhus!", verbunden mit dem Schwenken einer gelben Fahne, um für eine reibungslose Weiterfahrt zu sorgen.
Fotos:
1. Rettungsauto nach dem 2. Weltkrieg sowie Bezirksstellenleiter Bgm. Rudolf Frimmel
Fotokredit: Rotes Kreuz Bad Vöslau