Armutsgefährdung mehrfach sichtbar Deutlicher Anstieg bei der Spontanhilfe um 28 Prozent
Beim Roten Kreuz wird Armut in den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen täglich sichtbar. „Die Abholungen bei den Ausgabestellen der Team Österreich Tafel bleiben weiter auf hohem Niveau“, erklärt Präsident Hans Ebner, Rotes Kreuz Niederösterreich. „Das gilt auch für die Sozialbegleitung und die Lernförderangebote. In der Spontanhilfe registrieren wir bereits im 1. Quartal einen deutlichen Anstieg. Wir sehen in unserer Arbeit, dass viele Menschen unverschuldet in die Armut rutschen. Sie können ihre Lebenshaltungskosten schlicht nicht mehr aufbringen. Hier ist Handeln gefragt.“
Gerade im ersten Quartal 2024 zeigt die Zahl der Spontanhilfeanträge beim Roten Kreuz Niederösterreich mit einem Plus von 28 Prozent deutlich nach oben. Während durch die abfedernden Maßnahmen in den beiden Jahren davor, die Zahlen relativ konstant blieben, trafen im ersten Quartal 2024 bereits 145 Anträge im Vergleich zu 113 im ersten Quartal 2023 ein. „Das erschreckende daran: 45 Prozent der betroffenen Haushalte haben Kinder, allein im Q1 2024 bedeutet das, dass 146 Kinder beispielsweise nicht in einer geheizten Wohnung leben können – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 95 Kinder“, meint Hannes Buxbaum, Landesdirektor Gesundheits- und Soziale Dienste und Mitglied der Geschäftsführung, Rotes Kreuz Niederösterreich. „Dahinter stehen Schicksale. Wenn Menschen von Armut bedroht sind, hat das massive Auswirkungen auf ihr Leben – ihre soziale Teilhabe, ihre Ausbildung, Gesundheitsversorgung und Zukunftsaussichten.“ Aktuell sieht das Rote Kreuz Niederösterreich sich vermehrt mit Anfragen zu Energiekosten konfrontiert, dabei handelt es sich oft um Beträge von mehreren Tausend Euro.
Mit der Kraft der Menschlichkeit Zukunft gestalten
Kinder und Jugendliche waren laut aktueller Statistik Austria-Zahlen aus der Erhebung „EU-SILC“ von absoluten Armutslagen wesentlich häufiger betroffen als Ältere. Bei den unter 18-jährigen lag der Anteil der erheblich materiell und sozial Benachteiligten österreichweit bei 5,3 %, das sind 88.000 Kinder und Jugendliche. Im Jahr davor lag die Zahl noch bei 36.000 Personen unter 18 Jahren.
„Ein Blick auf die Anzahl der armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Personen vervollständigt das Bild“, sagt Buxbaum. „In Österreich sind das 17,7% der Bevölkerung, dh rund 1.592.000 Menschen, davon 376.000 Kinder laut der EU-SILC-Daten.“
Das Rote Kreuz Niederösterreich setzt gerade im Bereich der Kinder und Jugendlichen wichtige Aktivitäten. „Für uns ist eines klar: Kinder sind unsere Zukunft. Unsere Vision lautet ‚Mit der Kraft der Menschlichkeit Zukunft gestalten‘ und genau das wollen wir auch hier leben. Wenn wir Kinder und Jugendliche frühzeitig unterstützen, haben sie bessere Chancen in ihrem künftigen Leben“, meint Ebner. „Es ist uns deshalb ein großes Anliegen, die Zukunftschancen für Menschen zu verbessern. Mit unseren Lernförderangeboten legen wir für junge Menschen einen wichtigen Grundstein, parallel dazu nehmen wir uns aber auch der Versorgung unserer Jüngsten an.“ Insgesamt hat das Rote Kreuz im Jahr 2023 3.550 Kinder und Jugendliche durch Lernförderprogramme maßgeblich unterstützt, im Jahr davor waren es noch mit einer Anzahl von 2.695 deutlich weniger, die diese Unterstützungsleistung nutzten.
Bildung ist ein wesentlicher Faktor zur Armutsprävention und wirkt über mehrere Generationen. „Bildung stärkt den einzelnen Menschen und die Gesellschaft“, sagt der Rotkreuz-Präsident. „Leider haben selbst in Österreich nicht alle Kinder die gleichen Chancen, denn Kinder aus bildungsferneren Familien mit niedrigem Einkommen sind unter den leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern überproportional vertreten.“ Genau hier setzt das Rote Kreuz Niederösterreich mit seinen Lernförderprogrammen an.
Gleichzeitig werden auch an den mittlerweile 35 Ausgabestellen der Team Österreich Tafel in NÖ wichtige Akzente in Richtung Kinder und Jugendliche gesetzt. „37 Prozent der an den Ausgabestellen versorgten 15.877 Menschen sind Kinder, das muss man sich einmal vorstellen“, sagt Buxbaum. Mit dem 2023 aus der Taufe gehobenen Projekt ‚Junior Tafel‘ soll hier speziell eine gesunde und kindgerechte Ernährung unterstützt werden. „Hier sind wir aktuell auf der Suche nach langfristigen Kooperationspartnern – besonders Obst und Gemüse sind hier für eine gesunde wie auch kindgerechte Ernährung gefragt“, meint Ebner. Insgesamt seien die Auswirkung der Preissteigerungen auch weiterhin deutlich zu spüren: „Wir haben an den Ausgabestellen der Team Österreich Tafel im Jahr 2023 einen weiteren Anstieg von rund 17 Prozent auf 133.387 bei den ‚Einkäufen‘ verbucht, im Jahr davor waren es sogar 55 Prozent. Im Jahresschnitt 2023 wurden pro Woche 2.565 Haushalte bzw. 6.663 Personen mit Lebensmitteln versorgt.“
Tulln, 7. Mai 2024
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