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„Was wir tun, ist so einzigartig wie die Situation“

Notfallseelsorge: In der Salzburger Krisenintervention des Roten Kreuzes engagieren sich derzeit etwa hundert Menschen. Einer davon ist der neue Generalvikar der Erzdiözese Harald Mattel.

 

Der neue Salzburger Generalvikar Harald Mattel ist auch als Notfallseelsorger des Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes Salzburg für andere Menschen da. Die Grundmotivation, Menschen in herausfordernden Situationen zu begleiten, gehöre zur Seelsorge dazu.

Im Salzburger Kriseninterventionsteam-Nord, wo Mattel tätig ist, gibt es einen selbst einteilbaren Ruf-Bereitschaftsdienst in Zweier-Teams. Wenn mehr gebraucht werden oder eine Schicht nicht besetzt ist, wird das ganze Team informiert. „Meistens wissen wir den Ort, einen Namen und ganz grob die Situation“, aufbauend auf den Blaulichtmeldungen. „Je besser der erste Notruf war, umso mehr Daten haben wir.“

 

Sinnstiftend: Nicht an der Not vorbei

Beim Thema „über den Tod sprechen“ ist für Mattel am wichtigsten, ehrlich zu sein und sich von den Fragen der Menschen leiten zu lassen. Es gelte, je nach Altersgruppe „die richtige Sprache und Erklärung zu finden“. Wenn es schnell gehen muss und besonders herausfordernd ist, „dann ist es gut, dass es ein spezielles Team dafür gibt“. Notfallseelsorge ist für Mattel „eine logische Konsequenz, wenn man Seelsorge ernst nimmt“, weil sie an keiner Lebenssituation vorbeigeht.

Notfallseelsorge brauche eine Struktur und Vorbereitung. In den meisten Fällen geht es um Todesfälle, lebensbedrohliche Situationen oder um Gewalt. Das Schöne an dieser Tätigkeit sei, in diesem sinnvollen Aufgabenbereich Menschen zur Seite stehen zu können.

 

„Reden und Dasein hilft den allermeisten“

„Was wir tun, ist so einzigartig wie die Situation“, denn es gehe darum, mit den Menschen danach zu suchen, was jetzt hilfreich sein könnte. Neben Erfahrungen, was vielen Menschen guttut, sei es wichtig, zu informieren, warum sich manches so oder anders anfühlt. „Reden und Dasein hilft den allermeisten“, erklärte Mattel. Das könne man vorschlagen, „aber immer in der Freiheit, dass das individuell verschieden sein kann. Eine gute Ausbildung, um Gespräche zu ermöglichen, macht oft so den Unterschied.“ Etwa bei einem Unfall sei das große Ziel, dieses Erlebnis in die Gesamtheit des Lebens zu integrieren. „Ein erstes kleines Zwischenziel kann sein, etwas mehr von dieser Geschichte zu erzählen.“ Mattel will „lebendig halten, was da ist“: Dass die Seelsorgenden offen für dieses Thema sind und sich immer welche finden, die diese Berufung, Menschen beistehen zu wollen, auch ehrenamtlich leben.

 

Notfallseelsorge in Salzburg

Die Notfallseelsorge in Salzburg ist Gründungsteil des Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes. Mit Start im Dezember 2007 war Salzburg das letzte Bundesland, das ein Kriseninterventionsteam bekommen hat, knapp zehn Jahre nach dem generellen Start der Krisenintervention in Österreich. Es baut auf Konzepten und Erfahrungen aus anderen Bundesländern auf und wurde gemeinsam von unterschiedlichen Berufsgruppen gegründet. Ein gemeinsames Alarmierungssystem verständigt alle psychosozialen Fachkräfte.

Derzeit engagieren sich in der Salzburger Krisenintervention etwa 100 ehrenamtliche und zwei hauptamtliche Mitglieder in Teilzeit, aufgeteilt in vier Teams: Salzburg-Nord (Stadt, Flachgau, Tennengau), Pinzgau, Pongau und Lungau. Das Einsatzgebiet richtet sich nach dem Wohn- und/oder Arbeitsort, um die Wege so kurz wie möglich zu halten, was nur mit ständigem Nachwuchs in allen Regionen gelingen kann.

Die Geschichte der Krisenintervention in Österreich fußt auf der schmerzhaften Erfahrung mehrerer Krisen in kurzer Zeit – quasi jedes Bundesland hat sein „Gründungstrauma“. Auf das Grubenunglück von Lassing (1998) folgten die Lawine in Galtür (1999) und der Brand in einem Tunnel der Gletscherbahn von Kaprun (2000). Damals gab es in Salzburg bereits einen Mitarbeiter, der die Ausbildung zum Ausbildner absolvierte, obwohl es in Salzburg noch keine Ausbildung gab. Der Brand in Kaprun gilt heute als „Katalysator der Teambildung“, weil damals durch die Bearbeitung mit großer Hilfe aus anderen Bundesländern, allen voran Tirol, das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines eigenen Kriseninterventionsteams geschärft wurde.

 

Fotos (c) Rotes Kreuz Salzburg / Stoltenberg, Erzdiözese Salzburg / Hiva Naghshi

 

Salzburg, am 12. November 2024

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