Seit Mitte November verstärkt ein wertvolles Tool die Notarztversorgung in Vorarlberg – das Telenotarztsystem (TNA), das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr die elektronische Konsultation einer Notärztin:eines Notarztes ermöglicht und in Ergänzung des bewährten Notarztsystems in Einsatz kommt.
Pilotregion Bregenzerwald
Als Pilotregion wurde vorerst der Bregenzerwald definiert. Bei positiver Evaluierung des Pilotprojekts behält sich Vorarlberg vor, den Aufbau eines eigenen landesweiten telemedizinischen Systems innerhalb der Vorarlberger Notärztemodelle zu prüfen.
Bereits eingeführt und erprobt ist das System in den Reihen des Roten Kreuzes Niederösterreich. Vereinbarungsgemäß kann sich das Rote Kreuz Vorarlberg seit Mitte November die Erfahrungswerte und vor allem die personellen Ressourcen der niederösterreichischen Kolleg:innen zunutze machen: So kann das Rettungspersonal aus dem Ländle im Bedarfsfall auf das Telenotärzt:innen-Team der Niederösterreicher zurückgreifen.
Erster Kontakt erfolgreich
Knapp einen Tag nach Aufschaltung des unterstützenden Systems im Bregenzerwald erfolgte auch schon die erste Kontaktaufnahme. Das Resümee: „Es hat alles tipp top geklappt – von der Verbindung mit der Notärztin aus dem Niederösterreicher-Pool über die medizinische Beurteilung des EKG via Tablet bis hin zur Beratung und Definition des geeigneten Zielkrankenhauses.“
Land begrüßt e-Health-Projekt
Seitens des Landes Vorarlberg und somit dem Verantwortungsträger für das Notarztwesen im Land steht man dem Projekt jedenfalls positiv gegenüber. „Der Einsatz von Telemedizin bei Nachalarmierungen von Notärztinnen und Notärzten ist sehr im Sinne von Patientinnen und Patienten und den Systempartnern Rotes Kreuz und Ärzteschaft. So können nach Möglichkeit spezielle Medikamente abgegeben und Patientinnen und Patienten auch zu Hause belassen oder notwendige Transporte in das Krankenhaus ärztlich begleitet werden, ohne dass Notärztinnen und Notärzte vor Ort dafür ihre Ordinationen schließen müssen. Wir begrüßen dieses Pilotprojekt des Roten Kreuzes, das in enger Abstimmung mit den Wälder Ärztinnen und Ärzte evaluiert wird, sehr und danken dem Roten Kreuz für dieses innovative Projekt im e-Health-Bereich. Bei positiven Ergebnissen behalten wir uns vor, die Etablierung eines ähnlichen Systems in den Vorarlberger Notarztmodellen zu prüfen“, detailliert Landesrätin Martina Rüscher.
Und COO Gerhard Kräutler vom Roten Kreuz Vorarlberg ergänzt: „Unser Ziel ist es, die präklinische Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu optimieren, das Rettungsdienstpersonal vor Ort bestmöglich zu unterstützen und bestenfalls das bestehende Notarztsystem entlasten zu können.“
Hier kommt das TNA in Einsatz
Hinzugezogen werden Telenotärzt:innen vorrangig bei der präklinischen Versorgung von nicht kritischen Patient:innen. Wertvolle Unterstützung können diese dem Rettungsdienstpersonal vor Ort aber auch dann geben, wenn sich der Zustand der:des Patient:in plötzlich verschlechtert und die alarmierte Notärztin:der alarmierte Notarzt noch nicht am Einsatzort eingetroffen ist. Zudem berät die Telenotärztin:der Telenotarzt über den „Best Point of Care“, kann eine Belassung zu Hause oder im Pflegeheim veranlassen oder den Transport der:des Patient:in ins Krankenhaus begleiten – eben in ständiger Verbindung via elektronischer Hilfsmittel.
Kommunikation per Tablet und Co.
Das Rote Kreuz Vorarlberg arbeitet (wie Niederösterreich) mit dem System corpuls.mission, das einen sehr einfachen Zugang sowohl für Sanitäter:innen als auch Ärzt:innen bietet. Die Sanitäter:innen vor Ort können sich mit dem Smartphone oder Tablet mit der Telenotärztin:dem Telenotarzt verbinden. Diese:r verfolgt vor dem Laptop oder Tablet den Einsatz und kann entweder Browser-basiert oder via App mit den Sanitäter:innen kommunizieren und auf die notwendigen Daten zugreifen. Dabei spielt es keine Rolle, wo die Ärztin:der Arzt tatsächlich sitzt – sie:er kann standortunabhängig zur Beratung zugezogen werden. Bei der Software handelt es sich um ein zertifiziertes Medizinprodukt, das auch die erforderlichen Voraussetzungen für den notwendigen Datenschutz schafft.