Antizipation statt Reaktion! Mit dem Konzept der „vorausschauenden humanitären Hilfe“ reagieren das Rote Kreuz und der Rote Halbmond seit 2014 auf eine stetig steigende Zahl an Extremwetterereignissen. Denn gerade bei Katastrophen wie Überschwemmungen, Wirbelstürmen, Dürren sowie Hitze- oder Kältewellen können Menschen in den betroffenen Gebieten vorzeitig – und damit oftmals rechtzeitig – gewarnt und gerettet werden. Große Verantwortung kommt bei diesem internationalen Ansatz Wissenschaftler:innen, speziell Meteorolog:innen, wie Helga Kromp-Kolb zu: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es in Zukunft mehr Einsätze geben wird – auch in Gebieten, in denen bisher keine Extremereignisse zu erwarten waren.“
Komplexe Herausforderungen
Helga Kromp-Kolb, Jahrgang 1948, ist Meteorologin und Klimaforscherin. Die gebürtige Wienerin ist Trägerin des „Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich“. 2005 wurde sie zu Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres gekürt, 2023 erhielt sie den „Preis der Stadt Wien für Naturwissenschaften“. Obwohl emeritiert, hält die Universitätsprofessorin nach wie vor zwei Seminare pro Jahr an der BOKU, der Wiener Universität für Bodenkultur.
In ihrem aktuellen Buch „Für Pessimismus ist es zu spät“ fasst sie die komplexen Herausforderungen zusammen, mit denen sich die Menschheit gegenwärtig konfrontiert sieht: „Wir stehen an einem Scheideweg. Der eine, bequeme Pfad des Augenverschließens führt nach heutigen Erkenntnissen unvermeidlich Schritt für Schritt in eine zwar in Eckpunkten beschreibbare, aber nicht wirklich vorstellbare Katastrophe. Der andere, sehr herausfordernde, aber auch spannende Weg kann eine bessere Welt herbeiführen. Ich bekenne freimütig, dass es keine Wahl gibt. Die Katastrophe kann sich niemand wünschen.“