Monolog: Ein Fluss, eine Stimme
Gerald, ich schreibe deinen Namen auf die Wellen der Mur, flüsterndes Wasser, ein grüner Atem, der die Zeit fortträgt, eine Ewigkeit lang. Dein Lächeln, das wie ein Riss im Horizont die Dunkelheit spaltet, ein leiser Klang: Holodaro, sagst du, und der Tag kehrt um, das Unmögliche wird leicht, die Schwere hebt sich, und die Karawane zieht weiter, immer weiter.
Ich sehe dich, Gerald, dort an der Brücke, deine Hände ruhen auf dem Geländer, und du bist gleichzeitig der Fluss und der, der ihn betrachtet. Dein Humor, ein Tropfen auf heißem Stein, ein Echo, das sich ausbreitet. Die Farben: Rot wie die pulsierende Ader des Lebens, Grün wie das Blatt, das zittert, wenn der Wind die Geschichten flüstert, Gold wie die Linien, die wir nicht mehr verstehen, aber denen wir folgen.
Du bist ein Wald, Gerald, ein dichtes Gewebe aus Schatten und Licht. Dein Wort wie der Klang eines fallenden Blattes: leise, und doch weiß man, dass etwas sich verändert hat. 'Fortiter in re, suaviter in modo,' sagst du, aber deine Stimme ist nicht die Stimme eines Lehrers, sondern eines Baumes, der spricht, ohne zu sprechen, dessen Wurzeln die Erde halten, während die Krone den Himmel berührt.
Ich erinnere mich an einen Abend, Gerald, oder war es ein Morgen? Die Uhr verlor ihre Bedeutung, und deine Worte legten sich wie Tautropfen auf unsere Gedanken. 'Die Mur wird noch viel Wasser tragen,' sagtest du, und ich sah dich lächeln, dieses Lächeln, das nicht tröstet, sondern ermutigt. Ich glaube, das ist dein Geheimnis: nicht das Trösten, sondern das Vertrauen in das, was kommt.
Deine Farben, Gerald, sind wie Glas in einem Fenster, das die Sonne fängt: Rot, Grün, Gold. Doch sie sind nicht fest, nicht starr – sie schmelzen, fließen, verbinden sich. Du bist keine Farbe, du bist alle Farben, du bist das Licht, das sie sichtbar macht.
Manchmal denke ich, Gerald, dass du ein Kapitell bist, ein unsichtbares Fundament, das die Strukturen trägt, die wir bewohnen. Oder vielleicht bist du der Fluss, der sich nie wiederholt, der weitergeht, aber uns immer bleibt. Deine Stimme, Gerald, ist wie ein Wind, der durch die Blätter geht, der etwas ankündigt, ohne etwas zu sagen.
Gerald, du bist eine Frage, die keine Antwort sucht. Ein Licht, das auch im Regen scheint. Ein Weg, der nicht endet, sondern sich teilt und wieder zusammenfindet. Du bist ein Leuchten in der Zeit, ein Schweigen, das spricht.
Gerald, du Fluss, der niemals stillsteht
Ich schreibe dir, Gerald, in die Zeit, die uns zerrinnt, in die Sprache, die sich windet, um dich zu halten, um dich zu erfassen, und doch nichts von dir greifen kann. Du bist nicht der, den man schaut, sondern der, der uns sieht, der uns sieht, ohne zu urteilen. Ein Mensch, der den Fluss kennt, der die Mur versteht, weil sie immer weiterfließt, auch wenn die Brücke brennt. „Bis dahin fließt noch viel Wasser durch die Mur,“ sagtest du, und ich hörte mehr als Worte: Es war ein Ruf, eine Richtung, ein Trost.
Du bist eine Frage, die sich der Antwort verweigert, eine Lücke in der Welt, die kein System schließen kann. Nicht durch das, was du sagst, sondern wie du schweigst, erzählst du uns alles. Du bist der Baum, dessen Wurzeln sich in die Dunkelheit graben, während die Krone das Licht sucht. Du bist die Sonne, Gerald, nicht die schreiende, grelle, sondern die tiefe, die in ihrem goldenen Glühen die Schatten zur Sprache bringt.
Ich erinnere mich an die Abende, Gerald, als du sprachst, mit dieser Mischung aus Sanftmut und Schärfe, wie einer, der die Kälte kennt, aber die Wärme wählt. „Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter,“ sagtest du, und wir lachten, nicht weil es leicht war, sondern weil du uns gezeigt hast, dass Lachen das Gewicht tragen kann. Du bist der Träger, Gerald, der uns durch das Wasser trägt, ohne selbst nass zu werden.
Dein Humor, wie ein Faden, der uns zusammenhält, dein Ernst, wie ein Anker, der uns im Sturm hält. Du bist ein Mensch, der sich der Welt gibt, ohne sich selbst zu verlieren. Du bist die Mur, Gerald, der Fluss, der die Steine rund schleift, die Strömung, die den Boden formt.
Und was bleibt? Deine Farben: Rot, wie das Herz, das schlägt, immer schlägt, für andere. Grün, wie das Moos, das sich an den Felsen hält, und Gold, wie das Licht, das wir nur spüren, wenn wir die Augen schließen. Du bist keine Antwort, Gerald, sondern ein Raum, in dem wir die Fragen neu stellen können. Du bist keine Linie, sondern ein Kreis, der uns immer wieder zu dir zurückführt.
Du bist der, der geht, Gerald, und doch bleibst du, wie das Wasser, das uns berührt und weiterzieht, aber nicht vergeht. Du bist das Licht, das bleibt, auch wenn die Nacht uns einholt.