Wir sind da Ö Österreich
Kind im Gazastreifen schaut vorsichtig aus Zelt hervor

Gaza: Drohende Hungersnot und katastrophale Zustände

Mehr als fünf Monate sind bereits seit den schrecklichen Ereignissen in Israel am 7. Oktober vergangen. Fünf Monate in denen sich die Situation für die Menschen im Gazastreifen von Stunde zu Stunde weiter verschlechtert. Die Zahl der zivilen Todesopfer ist schockierend hoch und die anhaltende Geiselnahme inakzeptabel. Erst kürzlich gab es erneut Angriffe auf das Al Shifa Krankenhaus in Gaza Stadt, wo sich mehr als 30.000 Menschen – darunter medizinisches Personal, Patient:innen und vertriebene Menschen – aufhalten.

Für ihre Kinder: Eltern verzichten auf Essen

Menschen in Gaza kochen im Freien
Viele Menschen im Gazastreifen haben kein Dach mehr über dem Kopf.
Foto von Hisham Manna, IKRK Mitarbeiter in Gaza
Hisham Manna arbeitet seit 2019 für das Rote Kreuz in Gaza.

Aufgrund der Kampfhandlungen wurden 85% der Bevölkerung in Gaza vertrieben. Viele von ihnen bereits mehrmals. Gleichzeitig wird der humanitäre Korridor in Rafah, wo sich mehr als eine Million Menschen aufhalten, immer kleiner. Hunderttausende Menschen schlafen im Freien, in ihren Autos oder in Schulen und Krankenhäusern, weil sie keinen Ort mehr haben, wo sie sonst unterkommen können. Auf der Suche nach Sicherheit leiden die Menschen unter ständiger Angst und Stress.

Ein Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) berichtet:
„Familien mit kleinen Kindern und Großeltern gehen kilometerweit zu Fuß, auf der Suche nach Sicherheit. Sie schlafen auf der Straße, wo sich Abwasser und Müllberge sammeln. Ohne Dach über dem Kopf und ohne Zugang zu sauberem Wasser. Teilweise wird Vogelfutter als Mehlersatz verwendet, weil es nichts anderes gibt. Die Menschen haben keinerlei Informationen, was gerade passiert. Sie sind von der Außenwelt abgeschnitten. All das hört einfach nicht auf…“

Laut WHO sind bereits zwischen 12 und 16,5 % der Kinder unter fünf Jahren im Gazastreifen akut unterernährt. Vor den Ereignissen im Oktober waren es lediglich 0,8%. Ihre Entwicklung wird dadurch stark beeinträchtig und das Risiko, an sonst harmlosen Krankheiten zu versterben, steigt enorm.
Beinahe alle Menschen im Gazastreifen müssen bereits auf Mahlzeiten verzichten. Die Hilfsgüterlieferungen reichen einfach nicht aus und müssen dringend aufgestockt werden. Auch die humanitären Helfer:innen leiden Hunger während sie tagtäglich versuchen, Leben zu retten.

Hisham Mhanna arbeitet seit 2019 für das Internationale Rote Kreuz in Gaza. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin profil erzählt er, dass jeder in Rafah drei Liter Wasser pro Tag bekomme, doch davon seien zwei nicht trinkbar. Dies und die fehlende Gesundheitsversorgung schafften perfekte Bedingungen für übertragbare Krankheiten und Krankheiten des Verdauungsapparates. Im Norden sei es noch schlimmer, von dort gebe es Berichte, dass Kinder verhungert seien. Die jüngsten Initiativen, Hilfspakete aus der Luft oder über den Seeweg nach Gaza zu schaffen, seien zwar hilfreich, aber sie könnten die Lieferungen durch Lastwagen mengenmäßig nicht ersetzen. Die Lage sei noch nie so schlimm gewesen, seit das Rote Kreuz in den besetzten Gebieten tätig sei, sagt Mhanna, also seit 1967.

Zusammenbruch des Gesundheitssystems

Ärztin und Arzt bei Untersuchung im Krankenhaus in Gaza

Die Situation ist untragbar und setzt die Menschen einem großen gesundheitlichen Risiko aus. Sie sind geschwächt – viele auch verletzt. Damit steigt die Gefahr, an gewöhnlichen Infektionen oder Krankheiten zu sterben. Todesfälle die vermeidbar wären. Besonders gefährlich ist die Situation für Kinder, immungeschwächte Menschen, schwangere Frauen, Ältere sowie Menschen mit Behinderungen. Krankheiten wie Grippe, Cholera, Hautkrankheiten etc. verbreiten sich rasant. Aufgrund fehlender Möglichkeiten ist die Behandlung der Krankheiten nicht immer möglich und die Folgen für die Betroffenen fatal.

Lächelndes Kind im Krankenhaus in Gaza

Für zwei Millionen Menschen in Gaza sind aktuell lediglich 1.500 Krankenhausbetten verfügbar. Behandlungen werden teilweise in Krankenhausgängen, Büros und Klassenzimmern durchgeführt, während die Wände aufgrund der Kampfhandlungen beben. Für das medizinische Personal sind die Bedingungen katastrophal und dennoch arbeiten sie unermüdlich, um Leben zu retten.

Eine Mitarbeiterin des IKRK gibt einen Einblick in ihren Alltag: „Das Personal arbeitet so schnell wie möglich, da permanent neue Patientinnen und Patienten mit schrecklichen Verletzungen im Krankenhaus ankommen. Viele von ihnen sind Kinder. Das chirurgische Team des IKRK arbeitet mit den lokalen Kolleginnen und Kollegen im ‚European Gaza Hospital‘ zusammen. Doch jeden Tag stellen wir uns die Frage: Werden wir genug medizinisches Material haben, wenn es noch schlimmer wird?“

Vor dem European Gaza Hospital sind unzählige Zelte, in denen Familien leben, weil sie Schutz suchen und die Infrastruktur des Krankenhauses nutzen. In all der Not versuchen die Menschen, einen Alltag aufrechtzuerhalten. Sie kochen auf kleinen Öfen, ein Mann schneidet Haare und trimmt Bärte, Kinder spielen und finden für kurze Zeit ihr Lachen wieder.

DEINE SPENDE HILFT

Spendenzweck

Naher Osten

Wenn Du die Spende steuerlich absetzten möchtest, fülle bitte das Formular, das nach dem Spendenvorgang erscheint, aus!

Betrag

Bitte nur ganze Eurobeträge. Danke!
Euro

Newsletter

abonnieren - nichts verpassen

Sie sind hier: