Wir sind da Ö Österreich

Internat. Zusammenarbeit in der Praxis

Geboren in Tirol, zuhause in Ostafrika

Manuel Lackmaier ist seit 2020 Programmverantwortlicher für Ostafrika beim Österreichischen Roten Kreuz. Seine Hauptmotivation ist, das Machtgefälle zwischen Nord und Süd zu minimieren und eine Zusammenarbeit zu fördern, die auf gegenseitigem Respekt gegründet ist.

Es war ein Buch über Mikrokredite von Friedensnobelpreis-Träger Muhammad Yunus, das Manuel Lackmaier in Richtung Non-Profit und Internationale Zusammenarbeit lenkte. „Das war nach der Matura, denn ich habe mich damals gefragt: Wo soll die Reise hingehen?“, erinnert sich der 1989er-Jahrgang. „Ein Freund hat mir dann dieses Buch gegeben. Darin werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man Menschen nachhaltig unterstützt und sie dazu ermächtigt, ihre Situation zu verbessern. Und ein Schlüssel dafür ist die wirtschaftliche Komponente.“

Gelesen hat Manuel Lackmaier das Buch von Yunus ausgerechnet während seines Zivildiensts beim Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) in Hall in Tirol. Nachdem er seinen Dienst als Rettungssanitäter absolviert hatte, war er noch sieben Jahre als Freiwilliger für das ÖRK tätig und hat die Zusatzausbildung zum Notfallsanitäter und Rettungsfahrer gemacht. „Ich hatte also schon früh einen starken Bezug zum ÖRK. Darum freue ich mich sehr, dass ich seit 2020 fix für diese internationale Organisation arbeite“, erklärt der heutige Regional-Manager für Ostafrika.

Was Manuel Lackmaier an seiner Tätigkeit besonders begeistert: „Die sieben Grundsätze der internationalen Rot-Kreuz-Bewegung haben mir von Anfang an imponiert – Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Also dass es darum geht, den Menschen immer in den Mittelpunkt zu rücken, ohne irgendeine Art von Parteinahme oder Zugehörigkeit zu einer speziellen Gruppe.“ 

Erfahrungen vor Ort sammeln

Doch bevor seine berufliche Karriere begann, gab es noch einige Zwischenstufen: nach dem Zivildienst etwa ein Non-Profit-Studium in Innsbruck und danach der Masterstudiengang Global Studies an der Universität Graz. „Außerdem wollte ich unbedingt selbst erfahren, wie Entwicklungszusammenarbeit vor Ort funktioniert, bevor ich mich für eine Stelle bewerbe und Projekte entwickle oder Fundraising betreibe“, so Manuel Lackmaier. „Deshalb bin ich 2012 zum ersten Mal nach Uganda gereist – und habe gemerkt, wie privilegiert ich in Österreich bin.“

Besonders prägend war die Bekanntschaft mit einem jungen Mann, der nach seinem Schulabschluss keine Chance auf ein universitäres Studium hatte, weil die finanziellen Mittel fehlten. „Daher habe ich ihn bei den Studiengebühren unterstützt. Und weil mit der Zeit immer mehr Menschen dazukamen, denen wir halfen, habe ich gemeinsam mit anderen den Verein ‚Tugende Together‘ gegründet, was auf Deutsch sinngemäß ‚gemeinsam Zukunft geben‘ bedeutet. Unser Ziel war und ist, den Zugang zu qualitätsvoller Bildung zu gewährleisten.“ 
 

Berufliche Übersiedlung nach Afrika

Manuel Lackmaier gefällt an der internationalen Rot-Kreuz-Bewegung auch die tolerante und offene Arbeitsatmosphäre: „Die Teams sind immer möglichst divers aufgestellt, lokal wie global – das finde ich sehr bereichernd. Allgemein ist es stets ein großes Ziel, Leute aus unterschiedlichen Backgrounds zusammenzubringen und das überregional vernetzte Denken zu fördern.“

Durch die Tätigkeit im Verein vertiefte sich Manuel Lackmaiers Beziehung mit Uganda immer mehr und er verbrachte jährlich einige Monate im Land. 2017 folgte schließlich ein berufliches Engagement für die NGO HORIZONT3000 und er übersiedelte von Tirol nach Uganda. Parallel dazu kümmerte er sich weiter um ‚Tugende Together‘ und war in den Bau einer eigenen Schule involviert. 

„Durch die Arbeit für HORIZONT3000 bekam ich auch Kontakt zu Delegierten vom ÖRK und so hat sich schließlich die perfekte Möglichkeit ergeben, dass ich meine Erfahrung und meinen Zugang nun hier einbringen kann.“ Als ÖRK-Programmverantwortlicher für Ostafrika ist er etwa für das innovative Programm „Skybird“ verantwortlich – mehr dazu siehe in diesem Beitrag.

Trotz vieler positiver Erfahrungen und erfolgreicher Projekte weiß Manuel Lackmaier, dass „die großen Herausforderungen global sind. Dass wir in den ‚westlichen Ländern‘ mehr darüber reflektieren müssen, wie wir unser Zusammenleben gestalten und so eine gerechtere Welt ermöglichen.“ Das betreffe nicht nur die Verteilung der finanziellen Mittel, sondern auch den Umgang miteinander. „Natürlich haben die mit dem Geld in der Hand mehr Macht. Meine Motivation dabei ist, dieses Machtverhältnis zwischen Nord und Süd zu minimieren und neu zu denken – und eine Zusammenarbeit zu fördern, die auf gegenseitigen Respekt gegründet ist.“ 

Darum sei es entscheidend, die Mittel so einzusetzen, damit nachhaltige Verbesserungen entstehen. „Und da tut sich in der Entwicklungszusammenarbeit ganz viel. Wir als ÖRK unterstützen unsere Partner vor Ort so, dass sie selbstständig ihre Projekte abwickeln können und im besten Fall unsere Unterstützung gar nicht mehr benötigen.“ Daher sei entscheidend, die Kapazitäten vor Ort so zu stärken, um sowohl für langfristige Programme als auch für Notfälle und Katastrophen gerüstet zu sein. „Es gibt schon viele gut ausgebildete Menschen in der Region, die man zum Beispiel in Nachbarländer für Einsätze schicken kann. Hier geht es eindeutig in Richtung Regionalisierung.“

Privilegierte Position und Handlungsspielraum

Manuel Lackmaier, der mit seiner Frau und drei Kindern in Ostafrika lebt, ist sich seiner privilegierten Position absolut bewusst. Deshalb ist es ihm persönlich wie beruflich ein großes Anliegen, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass man über den eigenen Tellerrand schaut und einen Beitrag zu einem gesellschaftlichen Wandel leistet. Er bleibt aber realistisch: „Man kann natürlich nur in dem Rahmen Unterstützung leisten, in dem es einem möglich ist. Es gibt überall auf der Welt Leute, die weniger privilegiert sind und daher Unterstützung brauchen. So ist unsere Gesellschaft leider strukturiert. Das müssen wir ändern.“ 

Wovon Manuel Lackmaier in Ostafrika am meisten beeindruckt ist: „Der Zusammenhalt in den Communities. Davon können wir definitiv viel lernen!“ Und diesen Wissenstransfer nach Europa zu bringen, sieht er durchaus ebenso als seine Aufgabe.
 

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Spendenzweck

Hilfe in Afrika

In den meisten Ländern Afrikas führen periodisch wiederkehrende Dürren und verkürzte Regenzeiten zu Ernteausfällen. Die Folge sind Nahrungsmittelkrisen, in denen die Versorgung durch die Länder selbst nicht mehr sicher gestellt werden kann und die Bevölkerung Hunger leidet. Die Schwerpunktländer der ÖRK-Hilfe liegen in Ostafrika: Äthiopien, Kenia, Sudan und Südsudan. Wasser- und Hygieneprojekte, die Stärkung der Selbstverwaltung von Gemeinden sowie Katstrophenvorsorge in Zusammenhang mit Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel stehen im Zentrum der operativen Arbeit des Österreichischen Roten Kreuzes in Afrika. Mehr Informationen

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