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Sudan: 280 Waisenkinder in Sicherheit

Ein Team des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) unterstützte Anfang Juni die Evakuierung des Mygoma-Waisenhauses in Khartum. Die Kinder im Alter von einem Monat bis 15 Jahren wurden in Bussen nach Wad Madani überstellt, rund 200 Kilometer von der umkämpften Hauptstadt des Sudan entfernt.

„Es ist eine große Erleichterung zu wissen, dass diese Kinder in Sicherheit sind“, sagt Jean-Christophe Sandoz, Leiter der IKRK-Delegation im Sudan. „Sie haben eine unglaublich harte Zeit in einem Gebiet verbracht, in dem der Konflikt seit sechs Wochen wütet. Sie hatten keinen Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung – was die Situation gerade für Kinder mit speziellen Bedürfnissen ausgesprochen schwierig gemacht hat." Einige der evakuierten Kinder leiden an psychischen Erkrankungen. Diese Erkrankungen können sich durch das stressige Konfliktumfeld, in dem sie zuletzt gelebt hatten, noch verschlimmern.

Das IKRK unterstützte die Evakuierung auf Ersuchen des Ministeriums für soziale Entwicklung und in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium des Sudan. Als neutraler Vermittler erhielt das IKRK von den Konfliktparteien Sicherheitsgarantien, um den Kindern und dem Personal des Waisenhauses einen sicheren Transport zu ermöglichen. Nach ihrer Ankunft in Wad Madani wurden die Kinder in die Obhut der Mitarbeiter des Ministeriums übergeben.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe im Sudan am 15. April arbeitet das IKRK eng mit dem Sudanesischen Roten Halbmond zusammen, um Krankenhäuser mit chirurgischem Material zu versorgen und den Zugang zu sauberem Wasser zu verbessern – und auch, um bei der Sammlung und Identifizierung von Leichen zu helfen.

Die beiden Organisationen unterstützen darüber hinaus Menschen, die den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben. Weiters hat das IKRK den Dialog mit allen Konfliktparteien aufrechterhalten, um die medizinische Evakuierung von Verwundeten zu erleichtern und um sie an ihre Verpflichtungen gemäß den Normen des humanitären Völkerrechts zu erinnern.

Mitarbeiter des IKRK begleiten den Convoy aus dem umkämpften Gebiet.

„Wir sind weit weg vom Lärm der Schüsse!"
Inmitten der schweren Kämpfe, die Khartum seit Wochen erschüttern, gibt es einen Schimmer der Erleichterung. Carin Naike Kohl, Schutzkoordinatorin im Sudan und Mitglied im Team des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), erzählt, wie 280 Kinder und 70 Betreuer aus dem Mygoma-Waisenhaus in der Hauptstadt Khartum evakuiert werden konnten.

Am 7. Juni wurden 280 Kinder und 70 Betreuer aus Khartum ins rund 200 Kilometer entfernte Wad Madani überstellt. Wie war die Stimmung auf der Busfahrt?
Es lag ein Gemisch verschiedener Gefühlen in der Luft. Vor allem aber herrschte eine allgemeine Erleichterung: Die Menschen wussten, dass sie sich in Sicherheit befanden, weit weg von den Schüssen. Die älteren Kinder waren sehr glücklich, während die Jüngeren die Situation vielleicht noch gar nicht richtig verstehen konnten. So war wohl es für alle Beteiligten ein bittersüßer Moment.

Erzählen Sie uns bitte von den Herausforderungen, denen Ihr Team während der Evakuierung gegenüberstand.
Die größte Herausforderung bestand in der Logistik, eine so große Gruppe von Kindern zu evakuieren. Dabei stellte vor allem die Organisation von Bussen, Lebensmitteln und anderen existenziell wichtigen Dingen ein großes Hindernis dar. Dank einer bemerkenswerten Teamarbeit ist es uns jedoch gelungen, eine Operation zu bewältigen, die von zahlreichen Diskussionen und der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen geprägt war. Letztendlich hat aber alles gut funktioniert.

Welche Rolle hat das IKRK bei der Gewährleistung des sicheren Transports und des Wohlergehens der Kinder und Mitarbeiter des Mygoma-Waisenhauses gespielt?
Wir haben eine wichtige Rolle als neutraler Vermittler gespielt, der dem Ersuchen des Ministeriums für soziale Entwicklung um Unterstützung bei der Evakuierung der Kinder und des Waisenhauspersonals nachgekommen ist. Unsere Aufgabe bestand in erster Linie darin, den Konfliktparteien sicheres Geleit zu verschaffen, die Logistik des Transport und der Verpflegung zu koordinieren. Und natürlich ging es darum, die ständige Kommunikation mit dem Waisenhaus und dem Ministerium für soziale Entwicklung sowie dem Gesundheitsministerium aufrechtzuerhalten. Wir konnten die Kinder auf einer dreistündigen Busfahrt sicher von Khartum nach Wad Madani transportieren, wo wir sie Mitarbeitern des Ministeriums für soziale Entwicklung zur weiteren Betreuung und Unterbringung übergeben haben.

Welche Lehren haben Sie aus dieser Evakuierung gezogen?
Keine noch so gute Vorbereitung kann die Komplexität eines solchen Unterfangens vollständig vorhersehen. Dennoch haben die kollektive Anstrengung und die Einigkeit des Teams die Oberhand behalten. Selbst Teammitglieder, die nie zuvor ein Baby angezogen hatten, trugen dazu bei, einen würdevollen Ablauf zu gewährleisten – einfach, indem sie die Dringlichkeit der Evakuierung mit dem Bedürfnis nach Ruhe in Einklang brachten. Die instabile Situation mit Granatenbeschuss, der im Hintergrund immer hörbar war, erhöhte den Druck. Es war eine folgenschwere Entscheidung, die getroffen werden musste, aber es war Zeit, das Waisenhaus zu verlassen. Das Gefühl der Erleichterung wuchs, als wir die Kontrollpunkte passierten; sogar die Babys haben die Veränderung in ihrer Umgebung irgendwie gespürt.

Werden Sie in Zukunft weitere Evakuierungen durchführen?
Das IKRK ist bereit zu helfen. Aber Sicherheitsgarantien von allen Seiten sind entscheidend, damit auch künftige Evakuierungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Diese Sicherheitsgarantien bleiben eine Vorbedingung für unser Engagement.

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