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Skybird

Kooperative und innovative Projekte mit Gemeinden in Ostafrika

Beim Skybird-Programm stehen Eigenverantwortung und Beteiligung ganz besonders im Fokus. Denn die Menschen vor Ort wissen am besten, was sie zur nachhaltigen Verbesserung ihrer Lebensbedingungen brauchen: von sanitärer Versorgung bis zur Stärkung von Frauenrechten.

Es sind oft die kleinen Projekte, die einen großen Unterschied machen können. Genau dafür steht auch das fünfjährige Programm Skybird des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK). Ausgehend vom Kernbereich WASH (kurz für Wasser, Sanitär & Hygiene)  werden in sechs Ländern in Ostafrika die Themen Gesundheit, Umwelt, Lebensunterhalt und Gleichberechtigung gezielt aufgegriffen und in Kooperation mit der lokalen Bevölkerung angepackt.

„Mit Skybird verfolgen wir einen innovativen Ansatz, weil wir sowohl mit unseren Partner-Organisationen als auch mit den jeweiligen Communities ganz eng zusammenarbeiten. Das heißt, die betroffenen Menschen selbst sind stark in die Entwicklung und Umsetzung verschiedener Kleinprojekte eingebunden“, erklärt der Tiroler Manuel Lackmaier. Er ist als Programmverantwortlicher für Ostafrika beim ÖRK für Skybird verantwortlich und lebt bereits seit 2017 in der Region (mehr zu seiner Person in diesem Beitrag ).
 

Abwasserpumpen & Mülltrennung

Wie Skybird in der Praxis aussieht, beschreibt Manuel Lackmaier anhand eines Projekts in Kampala, der Hauptstadt Ugandas: „Dort haben wir sogenannte ‚Gulper Groups‘ gebildet. Das sind Gruppen, die zu 70 Prozent aus Frauen und zu 30 aus Männern bestehen und die öffentliche Latrinen entleeren.“ (Gulper steht übrigens für mobile Abwasserpumpen – von „to gulp“, englisch für schlucken, verschlingen).

„Mithilfe dieses Projekts erzielen auch Frauen ihr eigenes Einkommen. Die Gruppen sind registriert und selbst für ihr Geschäft verantwortlich“, so der Skybird-Programmleiter. Die ersten positiven Auswirkungen für die lokale Bevölkerung seien schon zu erkennen. „In den Gegenden, wo die Gulper Groups tätig sind, weiß man über sie Bescheid. Bei einem Besuch vor Ort wurde uns erzählt, dass es in den dortigen Communities mittlerweile mehr Bewusstsein für die Benützung und Sauberkeit von Toiletten gibt. Aufgrund des Platzmangels in diesen informellen Siedlungen, ist der Service sehr willkommen. Anstatt neue Latrinen bauen zu müssen, kann die existierende Infrastruktur weiterverwendet werden.“

Mittlerweile wurde dieses Projekt bereits einmal erweitert. „Nachdem die Latrinen-Entleerung so gut funktionierte, wurde in einer zweiten Phase die Entsorgung von Haushaltsabfall hinzugefügt“, so Manuel Lackmaier. Diese neuen Gruppen tragen den Namen „Wastepreneur Groups“ (von Waste = Abfall, und Entrepreneur = Unternehmer“). „Sie sammeln nun auch Müll, trennen ihn und verwerten ihn weiter – zum Beispiel indem sie Kompost herstellen oder Bestandteile upcyceln.“ Dafür habe man etwa Kurse angeboten, wie man aus Plastik- und Papiermüll Produkte herstellt und vertreibt. Eine andere Gruppe macht Seifen, was eine zusätzliche Einnahmequelle durch den Verkauf bedeutet. „Außerdem können wir mit Seifen wiederum das Thema Hygiene aufgreifen und überhaupt mit dem gesamten WASH-Bereich verbinden“, sagt der Programmverantwortliche. 

Die wirtschaftliche Komponente spielt im gesamten Konzept eine wesentliche Rolle. „Wenn die Haushalte ihre Abfälle vorsortieren, kaufen ihnen die ‚Wastepreneur Groups‘ den Müll ab, weil sie ihn auf diese Weise leichter wiederverwerten können. Dadurch steigt in den Gemeinden auch das Bewusstsein dafür, dass Abfall auch eine wertvolle Ressource darstellen kann.“

Gleichberechtigung & Vorbildfrauen

Neben dem ökonomischen Aspekt haben Skybird-Projekte wie die „Wastepreneur Groups“ auch eine soziale und ethische Bedeutung, wie Manuel Lackmaier erklärt: „Der WASH-Bereich ist oft sehr technisch und daher von Männern dominiert. Dass dort nun Frauen die Vorreiterinnen sind, gibt zusätzlichen Antrieb und Motivation. Durch solche Initiativen entstehen Vorbilder für junge Frauen.“ 

Allerdings habe sich durch die vielfältigen Projekte von Skybird ebenfalls gezeigt, dass gerade im Hinblick auf Gleichberechtigung noch viel Arbeit warte. „Es braucht mehr Dialog mit den Gemeindemitgliedern, weil durch unsere Aktivitäten oft das traditionelle Rollenverständnis herausgefordert wird. Vor allem wenn wir Frauen stärken und sie zu selbständigem Einkommen ermächtigen“, so Manuel Lackmaier. Genau deshalb entwickelt man bereits ein Skybird-Folgeprojekt, wo man sich dieser Thematik widmet. 

Ein Fazit zum gesamten Skybird-Programm von Manuel Lackmaier ist: „Indem wir die Communities stark in die Entwicklung von Ideen integrieren, verfügen sie auch über mehr Eigenverantwortung.“ Allgemein gilt, dass das ÖRK das Know-how und zielgerichtete Weiterbildungen für die Umsetzung liefert. „Ein wichtiger Punkt bei Skybird ist außerdem, dass sich die lokalen Partner-Organisationen miteinander vernetzen, damit sie durch die Erfahrungen aus diesen Kleinprojekten voneinander lernen und sich austauschen“, berichtet der Programm-Manager. „Neben gegenseitigen Besuchen haben wir dafür auch Social-Media-Channels eingerichtet und Online-Events organisiert.“

Ein weiteres Vorzeigebeispiel sind diverse Veranstaltungen am internationalen „Menstrual Hygiene Day“. An diesem Tag geht es darum, die Menschen für das Thema Menstruation zu sensibilisieren und damit verbundene Stigmata und Einschränkungen im Leben von Frauen in Ostafrika aufzubrechen. „Viele Familien können sich keine Menstruationshygieneprodukte leisten, weshalb Mädchen oft vom Unterricht fernbleiben müssen. Darum haben wir zum Beispiel Kurse für Frauengruppen und Schülerinnen angeboten, um wiederverwendbare Einlagen herzustellen. Dadurch schaffen wir neben der Bewusstmachung zudem eine Möglichkeit für eigenes Einkommen.“ 

Ein spannender Effekt für Manuel Lackmaier ist, dass er durch solche Maßnahmen auch selbst eine neue Perspektive gewinnt: „Man merkt, dass im ‚globalen Norden‘ ebenfalls noch viel Stigmatisierung zu Menstruation vorhanden ist – und es auch bei den Themen Gleichberechtigung und Diversität noch viel zu verbessern gibt. Wenn wir ehrlich sind, gibt es ja bei uns ebenfalls wenig öffentliche Diskussion darüber. Also können wir in Österreich das durchaus als Anlass nehmen, um zu beobachten und davon zu lernen, wie andere Länder diesen Weg beschreiten.“
 

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Spendenzweck

Hilfe in Afrika

In den meisten Ländern Afrikas führen periodisch wiederkehrende Dürren und verkürzte Regenzeiten zu Ernteausfällen. Die Folge sind Nahrungsmittelkrisen, in denen die Versorgung durch die Länder selbst nicht mehr sicher gestellt werden kann und die Bevölkerung Hunger leidet. Die Schwerpunktländer der ÖRK-Hilfe liegen in Ostafrika: Äthiopien, Kenia, Sudan und Südsudan. Wasser- und Hygieneprojekte, die Stärkung der Selbstverwaltung von Gemeinden sowie Katstrophenvorsorge in Zusammenhang mit Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel stehen im Zentrum der operativen Arbeit des Österreichischen Roten Kreuzes in Afrika. Mehr Informationen

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